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Die Kunst auch mal „STOP“ zu sagen …

Die Kunst auch mal „STOP“ zu sagen …

Kennen Sie das? Sie haben in eine Idee oder Unternehmung bereits eine Menge Zeit und/oder Geld investiert, sind dem Ziel aber entweder nicht wirklich spürbar näher gekommen, oder haben irgendwann festgestellt dass sich der eingeschlagene Weg als falsch erwiesen hat. Das bisher eingesetzte „Kapital“ hält sie aber davon ab, einen Schlussstrich zu ziehen oder Ihr Engagement neu zu überdenken. Stattdessen versuchen Sie an den verschiedenen Stellen „herumzudoktern“ um irgendwie doch noch zum gewünschten Ergebnis zu kommen. Es ist ja schon so viel Geld, Zeit, Liebe und Arbeit in das Projekt oder die Idee geflossen, das man nun unmöglich abbrechen kann …

Der Schweizer Autor Rolf Dobelli nennt das in seinem Buch „Die Kunst des klaren Denkens – 52 Denkfehler die Sie besser anderen überlassen“ die „Sunk Cost Fallacy“. Seine These – das bereits investierte (egal ob Zeit oder Geld) darf bei rationalen Entscheidungen keine Rolle spielen. Das Geld, die Energie ist ohnehin weg, egal ob sich das Projekt nun gut oder schlecht entwickelt. Treibt man Dinge weiter, die sich im Verlauf als falsch entpuppt haben, gehen nur noch mehr Ressourcen ins Land, die an anderer Stelle fehlen. Das dennoch viele Menschen so lange am einmal eingeschlagenen Weg festhalten, führt er auf die Tatsache zurück, das Menschen konsistent und somit glaubwürdig erscheinen möchten. Wird ein Projekt mittendrin abgebrochen, kommt dies einem Widerspruch gleich – dem Eingeständnis früher anders und möglicherweise falsch gedacht zu haben. So werden oft auch unsinnige Projekte bis zum bitteren Ende weitergetrieben.

Um diesen Aspekt geht es auch oft im Coaching. Es gibt heute unzählige Literatur und Seminare, in denen uns weißgemacht wird, wir könnten alles im Leben erreichen wenn wir uns nur klar fokussieren, immer an unseren Zielen festhalten und niemals vom direkten Weg abkommen. Ich halte das für falsch. Wer ständig und ohne Reflektion seinen Zielen und Ideen nachhängt, wird irgendwann „betriebsblind“. Häufig führt das in eine Endlosspirale – noch ein Buch, noch ein Seminar noch mehr Pläne …

Besser wäre es, regelmäßig eine schonungslose und realistische Bestandsaufnahme zu machen.

Wo stehe ich? Bin ich meinem Ziel näher gekommen? Bin ich noch auf dem richtigen Weg? Stehe ich noch hinter meinem ursprünglichen Ziel oder bin ich gedanklich schon ganz woanders? Habe ich Zweifel das Ziel zu erreichen?

Seien Sie hier kritisch mit sich selbst oder reflektieren Sie Ihre Gedanken mit einer (neutralen) Person ihres Vertrauens. Spüren Sie, dass Sie heute anders entscheiden würden oder dass Sie nicht mehr hundertprozentig zu der bisher eingeschlagenen Richtung stehen, dann trauen Sie sich Ihre Entscheidung zu überdenken und im Zweifel neu zu treffen. Egal, wieviel Sie bisher investiert haben!

Aufgabe und Neuausrichtung sind kein Zeichen von Schwäche, sondern von Stärke!

Vielleicht eine kleine Alltagsübung dazu, die Ihnen zunächst bei einfachen Dingen helfen kann, nicht in die Sunk Cost Fallacy zu geraten: Das nächste Buch was Sie kaufen, entpuppt sich nach wenigen Seiten als Reinfall. Legen Sie es weg, egal ob Sie 29,95 Euro dafür bezahlt haben. Der nächste Kinofilm auf den Sie sich lange gefreut haben gefällt ihnen nicht. Verlassen Sie das Kino, egal wie teuer die Tickets waren und verbringen Sie den Abend mit etwas, was Ihnen Spaß macht. Die tolle Weinempfehlung des Händlers schmeckt Ihnen überhaupt nicht? Kippen Sie ihn weg, auch wenn er teuer war … Ich bin sicher, dass Ihnen noch viele ähnliche Situationen im Alltag auffallen werden, an denen Sie üben können. Viel Erfolg dabei!