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Gerade gelesen: „Raus“ – von der Chefetage in die Psychatrie und zurück …

Gerade gelesen: „Raus“ – von der Chefetage in die Psychatrie und zurück …

Über dieses Buch bin ich in einer kleinen Ankündigung in irgendeinem Wirtschaftsblatt gestolpert. Der Autor Rüdiger Striemer, Vorstand der börsennotierten adesso AG, einem IT-Dienstleister mit über 1.300 Mitarbeitern, beschreibt in diesem Buch seine zweimonatige „Auszeit“ in einer psychatrischen Klinik, in die er sich aufgrund von immer schlimmer werdenden Angststörungen quasi selbst eingewiesen hat. Das interesante dabei ist, das er seine Krankheit in seinem Arbeitsumfeld offen kommuniziert hat (für einen Vorstand sicher ungewöhnlich) und das er nach der Therapie und einer anschließend notwendigen Übergangsphase den Weg zurück geschafft hat. Das klang nach einer spannenden Geschichte für mich als Business-Coach, das Buch wurde umgehend gekauft und in wenigen Tagen durchgelesen.

Der Autor hat einen sehr angenehmen flüssigen Schreibstil, so das es Spaß macht das Buch zu lesen. Das Buch beginnt quasi mit seinem Eintreffen in der Klinik und erzählt dann in kurzen Rückblenden wie es überhaupt dazu kam. Die Rückblenden mischen sich im Verlauf mit Erzählungen aus seinem Klinikalltag, zu seinen Mitpatienten und der therapeutischen Arbeit. Nach zwei Monaten Klinikaufenthalt gelingt dem Autor langsam der Weg zurück in seinen alten Job – zunächst mit einer bis zwei Stunden Arbeit pro Tag, im weiteren Verlauf erreicht er wieder sein altes Arbeitspensum.

Leider bleibt der Autor allerdings in all seinen Ausführungen recht oberflächlich. Weder erfährt der Leser so wirklich die Auslöser seiner Angststörungen noch wird klar wie die verschiedenen Therapieansätze denn zur Lösung beigetragen haben bzw. was sich durch die Therapie für ihn oder in ihm tatsächlich verändert hat. Der Umgang der Firma bzw. seiner Vorstandkollegen mit der Auszeit und der länger andauernden Rückkehrphase wird ebenfalls nur kurz und unvollständig gestreift. Hier hätte ich mir etwas mehr Tiefgang gewünscht. Der Mann ist Vorstand, da wäre es spannend gewesen zu erfahren wie die Firma konkret mit den Herausforderungen seiner Abwesenheit umgegangen ist, wie Kunden und Mitarbeiter reagiert haben, wie er die Wiedereingliederungsphase umgesetzt hat, wie er heute in seinem Job unterwegs ist und was er heute anders macht.

Es war klar, das es sich bei dem Buch nicht um ein Fach- oder Sachbuch handelt sondern eben um eine Erzählung. Das Thema ist aber hochspannend, von daher hätte man hier etwas mehr daraus machen können. Für Leser, die einfach auf der Suche nach unterhaltender Literatur sind ist das Buch sicher eine Empfehlung. Menschen die sich vielleicht in einer ähnlichen Situation befinden und hier die ein oder andere konkretere Hilfestellung erwarten dürften eher etwas enttäuscht sein. Drei von fünf Punkten …